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Wissenschaftlicher Hintergrund

Omega-3 Index und Herz-Kreislaufsystem

Aus den epidemiologischen Untersuchungen ist eine inverse Korrelation zwischen dem Auftreten eines plötzlichen Herztodes und dem Gehalt der Erythrozyten oder des Vollblutes an Omega-3 Fettsäuren zu erkennen (s. Epidemiologie des plötzlichen Herztodes). Daher ist der Omega-3 Index durch seine Messung in den Erythrozyten definiert; Messungen in anderen Blutkompartments sind uninformativ. Ein Omega-3 Index von < 4% bedeutet ein etwa 10-fach höheres Risiko, den plötzlichen Herztod zu erleiden, als ein Omega-3 Index von > 8% (Harris, von Schacky, 2004). Aus den Interventionsstudien und epidemiologischen Arbeiten lassen sich Inzidenzen des plötzlichen Herztodes errechnen, die je nach untersuchter Population und ihrer Behandlung stark unterschiedlich sind.

Die Inzidenz eines plötzlichen Herztodes hängt mit der An- und Abwesenheit einer kardialen Grunderkrankung, der Qualität ihrer Behandlung und dem kardiovaskulären Risiko zusammen. Die korrekte Behandlung mit Omega-3 Fettsäuren reduziert bei Patienten nach einem Herzinfarkt die Inzidenz des plötzlichen Herztodes um ca. 50%.

Daher wird empfohlen den Omega-3 Index bei Patienten mit einer kardiovaskulären Grunderkrankung bestimmen zu lassen, um rechtzeitig das Risiko eines plötzlichen Herztodes erkennen zu können. Zwar ist die Inzidenz des plötzlichen Herztodes in der Allgemeinbevölkerung niedriger (146/100 000 Personenjahre) trotzdem ist die Zahl der plötzlichen Herztode hier am größten.

Ist der Wert des Omega-3 Index > 8% genügt eine jährliche Kontrolle.
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Omega-3 Fettsäuren in Schwangerschaft und Stillzeit

Die Plazenta versorgt das heranwachsende Kind mit 50 – 60 mg DHA pro Tag. Diese Versorgung wird von Proteinen in der Plazenta reguliert, die das heranwachsende Kind auf einen Omega-Index um 10 % einzustellen versuchen. Bei Müttern mit niedrigen Spiegeln führt das zum Leeren endogener Speicher. Mütterliche Spiegel, die ausreichten, das Nabelschnurblut auf einen Wert um 10 % einzustellen, waren für Mutter und Kind sicher, und hatten in der Regel ein besseres Ergebnis, wenn man die folgenden Kriterien betrachtet:

Frühgeburtsbestrebungen: Eine Cochrane Meta-Analyse, die 6 randomisierte Interventionsstudien umfasste (2783 Schwangerschaften), zeigte, dass Frühgeburtsbestrebungen bei Frauen seltener waren, wenn sie ein Fischöl vor der 34. Schwangerschaftswoche erhalten hatten (RR 0.69, CI 0.49-0.99). Dies fand sich auch in einer aktuellen randomisierten Multicenter Studie an 961 Frauen mit Risikoschwangerschaften (Frühgeburt, intrauterine Wachstumsstörung, oder Schwangerschafts-induzierter Hochdruck in einer früheren Schwangerschaft): 2.7 g / Tag EPA und DHA ab der 20. Schwangerschaftswoche reduzierten Frühgeburten in Schwangeren mit geringem oder mittlerem Fischverzehr, nicht aber bei Schwangeren mit einem hohen Fischverzehr. 6.3 g / Tag EPA und DHA ab der 33. Schwangerschaftswoche waren ineffektiv. Einige, nicht alle epidemiologische Studien weisen auf eine inverse Korrelation zwischen hohen Spiegeln an EPA und DHA in Erythrocyten und dem Risiko und Präeklampsie, Interventionsstudien laufen (NCT00135902).

Schwangerschaftsdauer: In einer systematischen Analyse randomisierter Studien, die 1278 Neugeborene umfasste, verlängerte die Supplementation mit EPA und DHA um die Schwangerschaft um 1.57 Tage, und der Kopfumfang wurde 0.26 cm größer (CI 0.02-0.49, p=0.03). In der angesprochenen Cochrane Analyse fand sich nach Fischöl die Schwangerschaft um 2.6 Tage verlängert (95 % CI 1.03- 4.07) und das Geburtsgewicht leicht erhöht (47 g, 95 % CI 1 g - 93 g).

Wochenbettdepression: Die Inzidenz der Wochenbettdepression variiert 50-fach zwischen verschiedenen Populationen. In Nationen mit großem Fischverzehr und hohem Gehalt der Muttermilch an DHA ist die Wochenbettdepression selten. Interventionsstudien sind im Gange.

DHA ist eine wichtige Strukturfettsäure unter anderem für Hirn und Auge, weshalb Fetus und Kleinkind von einer ausreichenden Versorgung abhängen.

Hirnentwicklung: Mit verschiedenenen Tests lassen sich Hirnfunktion und Neuroentwicklung des Kleinkinds erfassen. Parameter, die die visuelle Informationsverarbeitung, wie visuelle Akuität oder stereotaktische Sicht erfassen, entwickeln sich in Kindern mit höheren Spiegeln von EPA und DHA besser, wie es auch für Parameter der Sprachentwicklung zutrifft. Aufmerksamkeitsspannen sind länger und Ablenkbarkeit geringer. Dies wurde in Placebo-kontrollierten randomisierten Interventionsstudien an Schwangeren, die EPA und DHA zu sich nahmen, bestätigt. Ein Beispiel ist die bessere Koordination von Auge und Hand, die 2 ½ jährige Kinder von Müttern zeigten, die ab der 20. Schwangerschaftswoche 3.3 g / Tag EPA und DHA supplementierten, im Vergleich zu Kindern, deren Mütter Placebo erhalten hatten. Kognitive Fähigkeiten korrlierten mit Spiegeln von EPA und DHA in Erythrocyten Neugeborener.

Intelligenz: Die Auswirkung einer Supplementation von 2 g EPA+DHA / Tag während der Schwangerschaft auf die Intelligenz der Kinder wurde in einer randomisierten, kontrollierten, doppel-blinden Studie erfasst. Placebo war Maisöl, Intelligenz wurde mit der „Kaufman Assessment Battery for Children“ erfasst. Spiegel von EPA und DHA wurden im Plasma der Schwangeren, in der Nabelschnurblut und in der Muttermilch verdoppelt. Im Alter von 4 Jahren hatten die Kinder der Mütter, die EPA und DHA supplementiert hatten, 4 Intelligenzpunkte mehr als die Kontrollkinder.

Stillzeit:Beim Stillen gelangen EPA und DHA von der Mutter zum Kind. Der Gehalt der Muttermilch lässt sich über die Mutter dosis-abhängig mit EPA und DHA anreichern. Ergebnisse randomisierter Studien sind nicht ganz konsistent, zeigen aber im allgemeinen einen positiven Effekt der Supplementation mit EPA und DHA bei visueller Akuität und psychomotorischer Entwicklung des Kindes im Vergleich zu Placebo. Babynahrung einzelner Hersteller wird nun mit DHA angereichert.

Sicherheit: Bedenken bestanden hinsichtlich intrakranieller Blutungen. Die Inzidenz dieser Blutungen liegt in Japan in Zeiten der Vitamin K Prophylaxe bei 10.1/100,000 Lebendgeborenen, was der Inzidenz Großbritanniens entspricht (12.8/100 000). Kontaminanten wie Methylquecksilber, PCB´s und andere hängen von der verwendeten Quelle für EPA und DHA ab. Langlebige Raubfische, wie Hai, Thun- oder Schwertfisch sollten wegen der Kontaminanten in der Schwangerschaft nicht verzehrt werden, andere Fische, wie Lachs oder Makrele sind deutlich weniger belastet. Die meisten Fischölpräparate sind frei von Kontaminanten.

Neue Empfehlungen für Schwangere wurden von den wesentlichen Fachgesellschaften erarbeitet. Früh in der Schwangerschaft sollten Mängel in der Ernährung erkannt werden. Während der Schwangerschaft sollten mindestens 200 mg DHA eingenommen werden, wobei darauf hingewiesen wurde, dass bis 2.7 g / Tag in randomisierten Studien ohne Nebenwirkungen eingesetzt wurden. Hinsichtlich der optimalen Dosis war man sich unsicher.

Um früh in der Schwangerschaft einen Mangel an Omega-3 Fettsäuren zu erkennen, sollte der Omega-3 Index zu Beginn der Schwangerschaft gemessen werden. Eigene Messungen an 30 konsekutiven Schwangeren in München zeigten Omega-3 Index-Werte zwischen 2.57 und 14.91 % – ein klarer Hinweis auf die Aussagekraft der Messung. In Abhängigkeit vom Ausgangsbefund kann dann die Dosis Omega-3 Fettsäuren zwischen 200 mg und 2.7 g / Tag festgelegt werden. Eine Therapiekontrolle nach 8 -12 Wochen zeigt, ob die Dosis angepasst werden muss.
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Omega-3 Fettsäuren in Neurologie und Psychiatrie

Docosahexaensäure, weniger Eicosapentaensäure, nicht alpha-Linolensäure, modulieren verschiedene Hirnfunktionen: Sie verändern dopaminerge Funktion und intrazelluläre Botschaftersysteme, regeln Hormonsysteme, vermehren dendritische Verzweigung und Synapsenbildung.

Schlaganfall: Der ischämische Schlaganfall tritt bei Personen, die EPA und DHA zu sich nehmen, etwa 30 % seltener auf. Omega-3 Fettsäurespiegel scheinen nicht mit dem Auftreten hämorrhagischer Schlaganfälle assoziiert.

Kognitive Defizite / M. Alzheimer: Epidemiologisch sind Verzehr von mehr Fisch, vor allem aber höhere Spiegel von EPA und DHA, mit einem niedrigeren Risiko für kognitive Defizite und Demenz vergesellschaftet. Eine erste kleine Interventionsstudie an Alzheimer-Patienten hatte viel versprechende Ergebnisse, weitere werden gegenwärtig durchgeführt.

Majore und bipolare Depression: Geringer Verzehr von Fisch und/oder niedrige Spiegeln von EPA und Docosahexaensäure erhöhen das Risiko für Depression und zukünftige Selbstmordversuche. Interventionsstudien mit Dosierungen zwischen 1 und 9.6 g / Tag zeigten viel versprechende Ergebnisse hinsichtlich depressiver Symptomatik. Es wurde vorgeschlagen, sich in zukünftigen Studien an omega-3 Fettsäurespiegeln zu orientieren.

Schizophrenie: Omega-3 Fettsäurespiegel sind in schizophrenen Patienten niedriger als in gesunden Kontrollen. Interventionsstudien waren inkonsistent.

Borderline Persönlichkeiten: Erste Daten von Interventionsstudien zeigten, dass Eicosapentaen- und Docosaehexaensäure Feindseligkeit und Aggression vermindern.

ADHD (Attention Deficit Hyperkinetic Disorder): In Jugendlichen und Erwachsenen hat man einen niedrigeren Omega-3 Index in Betroffenen gefunden, als in gesunden Kontrollen. Die Ergebnisse von Interventionsstudien waren viel versprechend, aber nicht eindeutig.

Weder die Daten aus Neurologie noch aus Psychiatrie reichen aus, eine therapeutische Entscheidung zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu begründen, weshalb omega-3 Fettsäuren in den einschlägigen Leitlinien auch nicht erwähnt werden. Aufgrund der laufenden Studien ist aber damit zu rechnen, dass einzelne Indikationen noch belegt werden.
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